Viele Gäste kennen mich persönlich, weil sie in einer „meiner“ schönen Ferienwohnungen in der Toskana zu Gast waren. Ab und zu fiel auch der Satz: „Es gibt viele schöne Tipps für den Toskanaurlaub, die ich euch mitgebe. Und es gibt einige Sachen, zu denen ich euch am liebsten zwingen würde, weil sie so toll sind“. Und nun gibt es so ein neues MUSS in der Toskana, ein weiteres MUST DO IN TUSCANY.
Nie, aber auch nie in meinem Leben, habe ich mir gewünscht, ein Mann zu sein. Aber bei dem Anblick der fantasievollen und wunderbar verarbeiteten Hemden von Poggianti kam ich wirklich ins Grübeln.

Innerhalb von vier Tagen habe ich nun die Fabrik am Rand von Peccioli (Provinz Pisa) zweimal ausgiebig besichtigt. Diesmal mit meinem modebewussten 16-jährigen Sohn. Ihn habe ich als Marktmesser sozusagen mitgenommen. Würden ihm als jungen Menschen diese italienischen Markenhemden genauso gut gefallen wie mir und meinem Mann, einer doch anderen Generation. Und siehe da, Sohnemann stürzte sich sofort auf die Hemden. Es wäre gar nicht nötig gewesen, ihm die ganze Hemdenproduktion zu zeigen, um ihn von deren Qualität zu überzeugen. Witziges Design, interessante Muster, tolle Farben, farblich abgesetzte Bündchen und Kragen, beste Stoffqualität und auf Wunsch sogar die eigenen Initialen in Kursiv- oder Druckschrift am Hemdkragen, an der Brusttasche oder am Bündchen.
Wirklich bezahlbare Unikate
Dazu Sonderanfertigungen jeder Art. Diese Farbe mit diesem Kragen? Kein Problem? XXL oder Minigrößen, na klar, sehr gern. Ein bis zwei Wochen Wartezeit und das Hemd kommt frei Haus für ganze 70,– Euro. Wohlgemerkt, es handelt sich um eine exclusive Produktion. Unwahrscheinlich, jemanden mit dem gleichen Hemd irgendwo zu treffen. Der normale Preis der italienischen Hemden hier im Outlet beträgt 50,– oder 60,– Euro bis maximal 80,– Euro mit eigenen Initialien. Im Laden kosten sie ab 130,– bis 210,– Euro.
Was interessieren mich italienische Herrenhemden?
Alessia, die Tochter „meines“ Schmieds in Lari, wo ich die meisten Ferienwohnungen in der Toskana vermiete, arbeitet seit Jahren für Poggianti und oft hatte sie mich gebeten, doch bei ihnen vorbei zu kommen. Nun bin ich ja kulinarisch mehr als interessiert und weiß, wo man den besten Wein, Salami, Schinken, Trüffelprodukte, Schokolade, Tomatensoßen oder Kaffee in der Toskana findet, aber Hemden? Was interessieren mich Herrenhemden?, hatte ich insgeheim bei mir gedacht und ließ mich so ganze drei Jahre lang bitten. Dabei hatte ich mir bisher nie in meinem Leben ein Hemd genauer angeschaut, geschweige denn mir Gedanken dazu gemacht, mit wie viel Aufwand diese hergestellt werden.
Höchste Qualität im sportlichen oder klassichen Look
Und da stand ich dann dort in diesem Outlet in der Toskana und fing eher zögerlich an, mich umzuschauen. Das allerdings änderte sich schnell. Wieviel Kreativität in diesen Hemden steckt, sieht man auf den ersten, spätestens auf den zweiten Blick.
Alessandro, der Sohn des Hauses steckte mich und meinen Mann schnell mit seiner Begeisterung an: Schaut mal die Baumwolle an, aus denen sie gemacht sind. Fühlt mal die gute Qualität, schaut mal die Designs an, alle hier entwickelt. Und dort die neueste Kollektion für die Pitti immagine, die berühmte Florentiner Modemesse, wo die Besten der Besten vertreten sind.
Bei Poggianti gibt es zwei Linien, lerne ich schnell, die classic-line, die schicken klassischen Geschäftshemden, und die fashion-line, die sportlichen, modischen Hemden. Dazu gibt es zwei verschiedene Stile, regular, die sind gerade geschnitten, und die immer mehr (auch für große Größen) in Mode kommenden taillierten Hemden.
Natürlich frage ich nach der Geschichte der Firma. Auf dem Firmenschild steht 1958, das Jahr in dem sie gegründet wurde, klar. „Mal sehen, ob wir Alberta, meine Mutter, in der Produktion treffen. Sie hat die Firma gegründet und damals mit einer Nähmaschine angefangen“ meint Alessandro. „Und mal sehen ob sie gut drauf ist, manchmal kann sie nämlich ganz schön mürrisch sein“ scherzt er. Alberta ist gut drauf, vielleicht auch weil ich sie gleich stürmisch, wie es meine ungehobelte Art ist, mit Komplimenten und Küssen überhäufe. Wenn ich mich für etwas begeistere dann gibt es kein Halten mehr.






Die Näherinnen arbeiten emsig und vertieft und trotzdem herrscht eine heitere Stimmung. Auch das macht einen wichtigen Unterschied. Man kann sehen, wie Kleidung in einem guten Ambiente hier in einer Hemdenmanufaktur in der Toskana produziert wird. Kein Vergleich zu üblen, gefährlichen Fabriken in Bangladesh mit Ausbeutung und unter lebens- und gesundheitsgefährdenden Umständen.
Romina näht die Knöpfe so schnell an, dass meine Augen es kaum erfassen können. Sie kennt die Nummern aller Garne auswendig, unglaublich. Und sie kann Knopflöcher so nähen, dass die Längslinien in einer Farbe sind und die jeweiligen Enden in einer anderen.



Die Italiener haben es drauf
Magst du den Kragen weich oder versteift, lang oder kurz, zusammen mit Bündchen und Knopfleiste farblich anders, bitteschön. Die Knopflöcher farbig abgesetzt, Deine Initialen in schöner Schrift darauf, eine gute Idee, sieht wirklich klasse aus. Und auch die stilvollen Verpackungen sind ein Hit. Die Italiener sind uns einfach, was Mode betrifft, immer einen Schritt voraus. Das haben sie hier wieder einmal bewiesen. Man kann damit rechnen, dass die Mode aus Italien bei uns in Deutschland mit einer Verspätung von einem halben bis einem Jahr ankommt, so meine Erfahrung.
Herzliche Grüße und viel Spaß mit der neuesten italienischen Mode aus der Toskana,
Kristina



